Wenn ein Kind geboren wird, ändert sich vieles. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dann besonders für Gewerbetreibende, Gründerinnen und Gründer eine Herausforderung. Anders als Arbeitnehmerinnen, haben sie bislang keinen gesetzlichen Anspruch auf Mutterschutz und keinen automatischen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Vielmehr müssen sie sich über ihre Krankenversicherung zusätzlich selbst versichern. Das soll sich laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung ändern. Die gesetzliche Absicherung sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt begrüßten die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung „Chef*in mit Kind – geht das überhaupt?“, zu der die IHK Darmstadt Rhein-Main-Neckar ins Technologie und Gründerzentrum HUB31 eingeladen hatte.
Rechtsanwältin Carina Abrolat sowie Diplom-Betriebswirtin und Steuerberaterin Sabine Lukas von der MOOG Partnerschaftsgesellschaft eröffneten sie mit ihrem Impulsvortrag „Sozialleistungen für Gewerbetreibende“. Sie informierten über den aktuellen Stand und gaben Praxistipps zu Krankenversicherung und Krankengeld, Mutterschutz und Elterngeld sowie Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Eine hilfreiche Übersicht, wie viele Teilnehmende – mehr Männer als Frauen – betonten, die mehrheitlich bereits selbstständig sind und eigene Kinder haben oder erwarten. Neben dem Mutterschutz interessierte die Teilnehmenden besonders das Elterngeld, seine Berechnung und Gestaltungsspielräume.
Die Überbrückung der Kleinkindzeit, wenn der Nachwuchs immer mal spontan die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern fordert, empfinden viele selbstständige jungen Eltern als besonders herausfordernd. Zwar gibt es die Möglichkeit, Mitarbeitende für „Arbeit auf Abruf“ einzustellen, doch – so die Erfahrung – ist es in der Praxis schwer, qualifizierte Mitarbeitende zu finden, die dazu bereit sind. Die alternative Beschäftigung von Freiberuflern erscheint da einfacher, birgt jedoch das Risiko der Scheinselbständigkeit. Die Wortmeldungen während des Vortrags und bei der anschließenden sehr regen Gesprächsrunde ließen eine gewisse Frustration unter den Teilnehmenden erkennen, dass sich selbstständige Eltern beim Spagat zwischen Familie und Beruf alleingelassen fühlen. „Ein Mutterschutz, der sie zumindest in den Wochen vor und nach der Geburt absichert, wäre ein wichtiges Zeichen für Frauen und Männer, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben“, bilanziert Carina Abrolat.


