Die Regelung der Nachfolge gehört zu den letzten und emotionalen Aufgaben, die Unternehmerinnen und Unternehmer erledigen müssen. Dafür gibt es kein Patentrezept. Mit unserer zehnteiligen Serie beleuchten wir verschiedene Herausforderungen, die sich bei Nachfolgelösungen stellen. Lesen Sie in dieser Folge, wie wichtig transparente Zahlen für die Steigerung des Unternehmenswerts sind.
Transparente und korrekte Zahlen sind eine unverzichtbare Basis für die Kaufpreisverhandlung. Jedoch begegnen uns in der Praxis immer wieder Bilanzierungsfehler und Probleme mit der Aktualität von Jahresabschlüssen. Mal wurde sogenannte schwimmende Ware falsch bilanziert, mal wurden Vorräte oder halbfertige Arbeiten zu hoch bewertet. In einem konkreten Fall verlor der Käufer gar das Interesse, weil die Fertigstellung des Jahresabschlusses des letzten abgelaufenen Geschäftsjahres immer wieder zugesagt, der Fertigstellungstermin aber immer wieder verschoben wurde. Die Kompetenz und vor allem auch Handlungsschnelligkeit des Steuerberaters des Unternehmens ist somit von großer Bedeutung, gerade in der heißen Verhandlungsphase.
Unternehmern raten wir, frühzeitig am statt im Unternehmen zu arbeiten. Spätestens vier Jahre vor dem beabsichtigten Verkaufszeitpunkt ist es an der Zeit, die Bilanzierungs- und Bewertungspraxis zu überprüfen, optimieren und gegebenenfalls zu korrigieren.
Gerade bei mittelständischen Unternehmen ist wichtig, den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) zu normalisieren beziehungsweise zu bereinigen. Werden Familienmitglieder zu eher marktunüblichen Konditionen beschäftigt? Gibt es privat genutzte Fahrzeuge im betrieblichen Fuhrpark? Denn der Durchschnittswert des bereinigten EBIT der letzten Geschäftsjahre ist in der Praxis meist Ausgangspunkt für die Ermittlung des Unternehmenswerts.
Ein professionelles Controlling schafft Klarheit und Sicherheit, denn es zeigt, wo das Unternehmen wirtschaftlich wirklich steht, und ermöglicht der Geschäftsführung, die Entwicklung des Unternehmens bis zum Verkauf aktiv zu gestalten. Wo ist es besonders rentabel? Welche Leistungen tragen zum Gewinn bei, wo ist unnötige Liquidität gebunden?
Daraus lassen sich Maßnahmen ableiten, die häufig den Unternehmenswert steigern. Etwa, indem der Cashflow optimiert wird: Ausgaben senken, Optimieren des Forderungs- und Rechnungsmanagements, Reduzieren der Lagerbestände. Auch eine Neuausschreibung der Versicherungs- und Energieverträge kann das Ergebnis leicht, aber nachhaltig verbessern. Denn schließlich ist jeder eingesparte Euro im Verkaufsfall das Vielfache wert.
Auf dieser soliden Datenbasis lassen sich Businesspläne und Strategiepläne für die näherer Zukunft entwickeln. Dies kann auch beinhalten, unrentable Bereiche zu schließen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Denn: Warum sollen nur Finanzinvestoren von dem Zukauf nach dem Prinzip der Plattformstrategie profitieren? Auch mittelständische Unternehmen können sich mit passenden Add-Ons weiterentwickeln, zusätzliche Kunden gewinnen, durch zentrale Services und Skaleneffekte Kosten sparen und damit den Wert des Unternehmens steigern und für den Verkauf attraktiver machen.
Lesen Sie in der nächsten Folge: „Management und Nachfolge-Team: Ohne den Inhaber denken“


