Nach einem Schreiben des Bundesfinanzministers (BMF) vom 26.02.2021 ist es steuerlich zulässig (Wahlrecht), in Gewinnermittlungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2020 enden, für die Bemessung der planmäßigen Abschreibung (AfA) bestimmter, in dem Schreiben spezifizierter sogenannter digitaler Wirtschaftsgüter (Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung) eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer i.S. von § 7 Abs. 1 Satz 2 EStG von einem Jahr zugrunde zu legen und damit bereits im Jahr der Anschaffung den vollen steuerlichen Betriebsausgabenabzug geltend zu machen.

Der Fachausschuss Unternehmensberichterstattung des Instituts der Wirtschaftsprüfer (FAB) hat sich in seiner Sitzung vom 16.03.2021 mit der Frage beschäftigt, wie mit diesem steuerlichen Wahlrecht in der Handelsbilanz zu verfahren ist.

Nach Ansicht des FAB kann von diesem steuerlichen Wahlrecht in der Handelsbilanz kein Gebrauch gemacht werden.

Nach Ansicht des FAB gelten folgende wesentliche Aussagen für die Handelsbilanz:

  • Die Zugrundelegung einer Nutzungsdauer von nur einem Jahr für die begünstigten digitalen Investitionen ist für handelsbilanzielle Zwecke nach Auffassung des FAB regelmäßig nicht zulässig.
  • Wird steuerlich von der Möglichkeit der Sofortabschreibung Gebrauch gemacht, ohne dass für Zwecke der handelsrechtlichen Bilanzierung für den betreffenden Vermögensgegenstand die Anwendung einer nur einjährigen Nutzungsdauer gerechtfertigt werden kann, resultiert daraus das Erfordernis zum Ansatz passiver latenter Steuern (§ 274 Abs. 1 Satz 1 HGB).
  • Die Zugrundelegung einer tatsächlichen betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mehr als einem Jahr für handelsbilanzielle Zwecke führt nach Auffassung des FAB nicht dazu, dass über den Grundsatz der Maßgeblichkeit (§ 5 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1 EStG) die steuerliche Möglichkeit der Zugrundelegung einer fiktiven – zur Erreichung eines rechnungslegungsfremden Zwecks von der Finanzverwaltung eingeräumten – betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer ins Leere läuft.